Nachgefragt

Menschen für Themen begeistern

Haben die digitalen Medien es leichter gemacht, sich zu engagieren? Was haben sie mit Demokratie zu tun und welche Rolle spielen Kinder dabei? Kinderreporter Emilio hat im Bundestag den Abgeordneten Mario Brandenburg von der FDP getroffen und zum Thema „Digitale Demokratie“ befragt.
Im Bundestag
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Nachgefragt
Das erste Mal über Politik habe ich wohl mit 14 oder 15 nachgedacht. Ich wollte mich in einer Partei engagieren. Ich habe mir damals zwei Parteien angeschaut, aber die Erwachsenen dort haben sich mit Themen beschäftigt, die mich nicht interessierten. Darum habe ich es gelassen und mich erst zehn Jahre später wirklich engagiert.
Wenn ich ganz ehrlich bin: Politiker wollte ich nie werden. Ich bin Informatiker und zufällig in die Politik hineingestolpert, denn mir sind die Themen rund um die digitale Welt sehr wichtig. Ich wollte über Gesetze und Regelungen mitentscheiden können. Das macht für mich Politik interessant. Ich hoffe sehr, dass ich Menschen von Dingen überzeugen kann, an die ich glaube.
Man kann sie sogar fühlen. Als ich das erste Mal hier war, hat mich die Atmosphäre sehr überwältigt. Allein der Reichstag ist so ein großes, ehrwürdiges Gebäude. Ich kannte Politiker vorher auch nur aus den Nachrichten. Als ich dann Angela Merkel das erste Mal live reden hörte, hat sich das ein bisschen aufregend angefühlt. Und wenn man im Plenarsaal neben all den Abgeordneten sitzt, spürt man, welche Verantwortung man trägt.
Kinder haben grundsätzlich dieselben Rechte wie Erwachsene, denn für sie gilt das Grundgesetz. Ich denke aber, heute ist es ebenso wichtig, danach zu fragen, welche Beteiligungsmöglichkeiten junge Menschen haben, wenn sie sich engagieren möchten. Viele Parteien haben nämlich nicht überall Jugendorganisationen. Vor allem auf dem Land müsste viel mehr getan werden, damit sich junge Menschen einbringen können.
Das auf jeden Fall – und sie sollten die Chance haben, sich schon früh politisch zu engagieren, wenn sie möchten. Im Bundestag gibt es die Kinderkommission, die KiKo, die sich mit diesem Thema beschäftigt.
Ich erkläre das an einem kurzen Beispiel: Als Politiker bin ich durch die sozialen Netzwerke überall erreichbar. Die Menschen müssen nicht mehr extra in mein Wahlbüro kommen, um mit mir zu reden und zu diskutieren. Heute können sie mir quasi von der Couch aus Fragen stellen. Für die Mitbestimmung der Bürger ist das wirklich sehr gut. In der Digitalen Demokratie werden soziale Medien und ihre direkte Beteiligung also immer wichtiger.
Die gleichen wie in der analogen Welt – zum Beispiel das Recht auf die persönliche Unversehrtheit, das Recht auf Privatsphäre und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Das letztere bedeutet, dass jeder über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten selbst bestimmen kann.
Absolut. Gerade die sozialen Medien machen es uns allen ja viel einfacher, uns auszutauschen und miteinander in Gespräch zu kommen. Heute kann jeder eine WhatsApp-Gruppe starten und Menschen für seine Themen begeistern.
Heute ist es für alle viel leichter, seine eigene Meinung einzubringen und sich über Themen zu informieren. Das hat aber auch zu negativen Dingen wie Fake News geführt. Digitale Medien haben also gleichzeitig positive und negative Auswirkungen. Ich glaube, daran sollten wir immer denken. Die digitale Welt bietet aber auch Chancen für die Umwelt. In meiner Fraktion wird zum Beispiel nur noch mit digitalen Geräten und nicht mehr mit Papier gearbeitet. Sie kann also dabei helfen, Prozesse zu verändern und Ressourcen zu schonen.
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